Herzlich willkommen im ICE 1653 “Planlos”!
…oder: Wo bitte liegt Sangerhausen?
Ich fuhr (vor einigen Monaten) wie jedes zweite Wochenende, aufgrund meiner Fernbeziehung, von Siegburg/Bonn nach Erfurt. Nach der Arbeit am Samstag, 01. Juli 2006 fuhr ich um 14:12 mit ICE 519 ab. Alles klappte reibungslos, der Umstieg in F-Flughafen Fernbf und wir kamen sogar pünktlich in Frankfurt Hbf an. Ich genoss die scheinbar unproblematische Fahrt und dachte an die Einladung zu einer Grillparty am Abend, schliesslich sollte ich ja Erfurt Hbf mit dem ICE 1653 um 17:29 erreichen…
Wir erreichten planmäßig um 16:12 Uhr Fulda. Dann geschah erstmal gar nichts. Nun gut, dachte ich - eine kleine Verzögerung oder warten auf einen Anschlusszug - doch dann kam die Durchsage: “Sehr geehrte Fahrgäste, aufgrund einer Signalstörung bei Bebra wird sich unsere Weiterfahrt um unbestimmte Zeit verzögern.” Den Satz hört man ja ganz besonders gerne. Den Sinn hatte ich nicht verstanden, da unser Zug direkt nach Eisenach und nicht nach Bebra fuhr, aber okay. (”Meine Damen und Herren, weil in China ein Sack Reis umgefallen ist haben wir heute 60 Minuten Verspätung.”) Nach etwa 20 Minuten dachten ein paar renitente Rentner wohl, nun sei es doch mal gut mit der Warterei und belagerten den Bistromitarbeiter, als dieser zur ersten Klasse unterwegs war. “Junger Mann! Nun sagen Sie mal wann es endlich weitergeht!” Doch selbst überlebende eines oder beider Weltkriege werden bei den service- und freundlichkeitsorientierten Antworten des Personals manchmal blaß. “Keine Ahnung. Unbestimmt heißt es kann in 30 Sekunden weitergen, es kann auch erst in 3 Stunden weitergehen.” Sagte es und ging. Gut auf solche Fragen kann man auch nicht wirklich antworten - ansonsten war er sehr nett, bediente mich sogar am Platz mit Getränken, obwohl ich im Wagen 27 im 2.Klassebereich saß.
Na also! Um 16:45 Uhr ging es dann plötzlich weiter. Türen piepten, gingen zu und wir fuhren zügig los. Alsdann kam die nächste Durchsage. “Uii”, dachte ich, “jetzt entschuldigen sie sich nachträglich für die halbe Stunde.” Gut das taten sie wirklich, allerdings nur, um die nächste Hiobsbotschaft etwas
angenehmer zu verpacken:
“Meine Damen und Herren, wir bitten Sie für die, durch unsere Verspätung entstandenen Unannehmlichkeiten um Entschuldigung. Hier noch ein Hinweis zum weiteren Zuglauf: Wie wir eben erfahren haben wird unser Zug aufgrund der Störung nun über Kassel-Wilhelmshöhe umgeleitet. Dadurch entfallen die Halte Eisenach, Erfurt und Weimar. Für Reisende dorthin besteht von unterwegs in Sangerhausen Anschluss an den Regionalverkehr.”
Schock! Wie fahren wir? Woher fahren wir? Wie lange wird es dauern? Und wo bitteschön ist Sangerhausen? Gehört hatte ich das, aber wie lange fährt man von da aus nach Erfurt? Fragen über Fragen, die keiner beantworten konnte oder wollte. Also lehnte ich mich nachmittags gegen 17:00 Uhr mit meinem 2.
Bier (!!) zurück und genoss die ungewohnt neue Umgebung, telefonierte um mitzuteilen, dass ich irgendwie verschollen bin und nicht weiß wann ich wo wie ankomme.
Na wer sagts denn. Um 17:20 kommt Kassel-Wilhelmshöhe in Sicht, wo zur Verwunderung von uns und den am Bahnsteig stehenden Leuten mit vollem Tempo durchgefahren wurde. Hä? Okay, scheinbar war kein Halt geplant. Voller Überzeugung wir würden jetzt irgendwo mal rechts abzweigen wartete ich und da kam sie, die dritte Durchsage, die in einer erschreckenden Normalität, als wäre garnichts, mitteilte:
“Meine Damen und Herren, in etwa 30 Minuten erreichen wir Göttingen. Dort besteht Regionalanschluss nach Richtung Erfurt.”
Hallo? Wieso denn Göttingen? Hilfe! Ich will nach Thüringen und nicht nach Niedersachsen!
Also auf zum Servicepoint im Wagen 23, den man durch die Menschentraube nicht mehr sehen konnte. Okay schlechter Zeitpunkt, also wieder zurück. Das dritte Bier noch schnell im Bistro gekauft und wieder auf den Platz. Langsam macht sich im Zug Gleichgültigkeit breit. Es ist ja auch nur Samstag. Wer will denn schon ein schönes Wochenende, wenns im Zug irgendwo in Deutschland so gemütlich ist?
Um etwa 18:00 Uhr erreichten wir Göttingen. Ich stieg aus um mich nach meinem Anschluss zu erkundigen. Der fuhr aber erst eine Stunde später und brauchte dann noch anderthalb Stunden bis Erfurt. Also entschied ich mich für die interessante Alternative, in dem Zug weiterzufahren bis Sangerhausen, schließlich war es ja egal wo ich stehe und mich nicht auskenne. Die äußerst entspannte Schaffnerin meinte auch es sei besser weiterzufahren. Der halbe Zug entschied sich dagegen, nur die Harten blieben sitzen. Auf die Frage wie lange es bis Sangerhausen wäre konnte man keine Antwort geben, schliesslich wird die Strecke normalerweise nur vom Regionalverkehr bedient. Nagut, dachte ich mir, wenn alles nix bringt fahre ich bis Halle (Saale) Hbf und von da aus zurück nach Erfurt.
Als wir um 19:25 Uhr endlich Sangerhausen erreichten, erlebte der Bahnhof eine regelrechte Invasion. Neben uns befand sich der ICE aus Düsseldorf und nach uns kam der eine Stunde später von Frankfurt gefahrene ICE. Alles quetschte sich in eine kleine, kurze, putzige Regionalbahn, die um 19:45 Uhr ankam und den Ansturm kaum bewältigen konnte. Da konnte einem der Zug richtig leid tun.
So erreichte ich endlich um 21:00 Uhr Erfurt. Zum Grillen sind wir nach diesem Tag nicht mehr gegangen, es sollte ja auch schon um 18:00 Uhr beginnen und ich war ja gute 3,5 Stunden zu spät. Dafür ging mir abends spät im Bett durch den Kopf, wie wohl die Rückfahrt keine 24 Stunden später sein würde. Am Tag drauf wollte ich mir dann meinen mehr als wohl verdienten Gutschein am Service-Point abholen. Ich bekam aber nur eine Bescheinigung. Nach diesem Chaostag hatte man in Erfurt Hbf keine Gutscheinkarten mehr…
Die Rückfahrt verlief aber netterweise nur durch die Bundesländer, durch die ich auch normalerweise fahre. Aber eines kann nicht jeder behaupten: Bei einer einfachen Fahrt von A nach B mit der Deutschen Bahn durch NRW, RLP, Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gefahren zu sein!
PS: Mitterweile weiß ich auch, dass es sich um einen Stromausfall auf der betroffenen Strecke gehandelt hat.
Diesen herrlichen Gastbeitrag haben wir unserem Leser Matthias Blum zu verdanken, der nicht nur Vielfahrer ist, sondern gleichermaßen auch Fahrkartenverkäufer von Beruf. Nicht nur für Bahnen
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Am 14. Dezember 2006 um 08:57 Uhr
Oh Mann,
und dann auch noch an einem Samstag.
und das wenn man sich auf seinen Partner freut
Zum Glück hab ich als zerfifiziertes charakterloses Schwein keine Beziehungen mehr.
Am 14. Dezember 2006 um 14:18 Uhr
…keine Beziehungen mehr.
beziehungeN?? sollst ja auch nicht mehrere auf einmal führen. viel zu anstrengend
Am 14. Dezember 2006 um 14:30 Uhr
Sprichst du aus Erfahrung?
Heutzutage ist es sogar wesentlich einfacher mehrere Beziehungen zu führen als früher. Da ja die jungen Dame heutzutage immer gerne als “böses Mädchen (kommen überallhin, jaja )” mehrere Beziehungen pflecht - wart ich eben nicht auf die Herzensgute und an den Tagen (ist es die da? - nein, Freitags ist sie nie da ) wo sie keine Zeit hat hab ich ja dann Zeit
Quod erat demonstrandum
Am 15. Dezember 2006 um 19:24 Uhr
Da ja die jungen Dame heutzutage immer gerne als “böses Mädchen (kommen überallhin, jaja )” mehrere Beziehungen pflecht …
dein frauenbild müssen wir auch irgendwann mal wieder graderücken. aber nicht mehr heute. und morgen auch nicht.