Wort-Rettereien. Ein Mailversuch.
Heute wollte ich eine Mail schreiben. An den Spiegel. Wegen diesem Artikel “Retten Sie ein Wort vor dem Aussterben!” von gestern. Und wegen unserem Artikel “Es sterben Worte.” von vor 6 Wochen.
Also habe ich ‘ne neue Mail geöffnet und angefangen zu tippern:
Hallo Spiegel,
Du bist ja doof!
Das kam mir dann nicht glycklich formuliert vor, also hab ich’s wieder gelöscht und neu angefangen zu schreiben:
Spiegel!
Wir hatten dieselbe Idee. Du aber später. Ätsch.
Nach 3maligem Durchlesen fand ich nur noch “Ätsch” gut, also habe ich kurzerhand wieder alles gelöscht und erneut angesetzt:
Sehr geehrter Spiegel,
mit großem Interesse habe ich von Ihrer jüngsten Leseraktion Kenntnis genommen.
Danach fiel mir nix mehr ein. Das war blöd, deswegen hab ich’s gelöscht und bin ganz neu durchgestartet:
Lieber Spiegel,
Worte retten ist ‘ne feine Sache.
An der Stelle wollte ich dann eigentlich losschimpfen - bis mir einfiel, dass bahn-spass.de ja das schöne Wort Eintracht rettet. Und wer Eintracht rettet, sollte auch einträchtige Mails schreiben. Also: Wieder alles gelöscht. Wieder neu drauflosgetippert:
Guten Tag Spiegel,
ich möchte wahrhaftig keine Zwietracht säen, aber…
Okeoke, das war albern. Eintracht, Zwietracht - zu platt. Hab’ ich ja selbst schon eingesehen und alles wegradiert. Um ganz anders zu schreiben. Nämlich so:
Huhu Spiegel,
….
Bei diesem Versuch kam ich über die Anrede nicht hinaus. Weil “Huhu”, naja, also. Oke. “Huhu” ist echt bescheuert. Wenn wir mal irgendwann Worte töten und nicht retten, dann töte ich “Huhu” - ganz klarer Fall. Also sah mein näxter Ansatz wie folgt aus:
Werter Spiegel,
gugg’ mal, wie lustig: Wir machen dasselbe.
Was ja falsch ist. Wir machen ja nicht dasselbe. Wir machen das gleiche. Und falsche Sachen schreiben geht gar nicht. Deswegen hab’ ich noch mal ganz neu angefangen:
Mein Spiegel,
ich wende mich heute an Dich, weil…
Mein Spiegel, Dein Spiegel - das drohte in einen Maoam-Plumperkwatsch auszuarten, das hab’ ich auch lieber sein lassen. Stattdessen:
Hy Spiegel,
wir müssen reden. Um der Worte willen.
Hm. Nein.
Ey Spiegel, alder Sagg,
was geht?
Ohgottohgottohgott. Schnell gelöscht. Neuer Versuch:
Horchemal Spiegel,
wegen dem Worte-Aussterben da…
Najahaaaa. Mundart. Und dann auch noch hessisch. *seufz* Mein letzter Mailversuch an den Spiegel:
Du Spiegel,
ich hab heute auf Deiner Seite gelesen und - HUCH! - was seh ich da?
Und dann hab ich meinen Mailclient geschlossen und das Projekt “Spiegel ‘ne Mail schreiben” kurzerhand beerdigt. Stattdessen habe ich mir “Retten Sie ein Wort vor dem Aussterben!” noch mal durchgelesen, auf den Link Lieblingswort vorschlagen geklickert und hab’ - na? - mein Lieblingswort vorgeschlagen:
Und als Begründung, warum ich genau das Wort Eintracht vor’m Aussterben retten will, habe ich geschrieben:
Wenn jetzt der Carsten sich mal entscheiden könnte, welches Wort er retten will, dann könnte er das ja beispielsweise auch dem Spiegel so vorschlagen. Und ebenso könnte der Torsten ohne h sein bevorzugt gerettetest (gerettetest???? Gibt’s das wirklich? gerettetest. Oje.) Wörtlein “schrub” dort einreichen. Der C-C-A das Tohuwabohu. Die Phantastische Welten ihr B I T T E und D A N K E. Der Korrupt könnte seine Anmut zum Spiegel tragen. Und die sly-wg den Buben hinterherschicken. Der Psalmist das alte zürichdeutsche Wort “höische”. Und die Andrea ihre Zimtzicke. Ausserdem deucht mir, dass HomoCarnula ebenso dem Spiegel was vorschlagen könnte. Das fiesblog könnte die Phantasie beisteuern. Und all die anderen Wort-Retter, die ich jetzt nicht weiter in der Lage bin nachzuvollziehen, die könnten “ihr” Wort dem Spiegel ebenso vorschlagen.
Dann wär allen gedient: Der Spiegel kriegt viele schöne Wortvorschläge, Ihr habt euch wunderbar um Euer Wort gekümmert. Und ich muss keine Mail mehr schreiben.
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Am 19. Dezember 2006 um 21:57 Uhr
[…] es ist ein Schmerz im Arsch, dass sonst eigentlich immer kreativen und feinen Leuten nicht einfällt, wie man dich anschreiben soll. Das die eine Sache, die ich loswerden wollte. Die zweite: Im Rahmen von Saras Wortrettungsaktion will ich anmutige Adoptiveltern für den Begriff “Schergen” haben. Freiwillige vor! Eigentlich warens zwei Wörter, die ich vermittelt wissen möchte, aber um das “Gemächt” kümmert sich bereits der schwer von mir verehrte Walter Moers. Nein, nicht wegen meinem Userpic auf dem g:b. Sondern weil er derbst geniale Bücher und Comix schreibt. An der Stelle mal ein Danke am Rande. […]
Am 20. Dezember 2006 um 01:14 Uhr
Hihihi. Da haben Korrupt und ich vor wenigen Stunden noch bei einigen Bierchen drüber gesprochen.
Der Spiegel mag das zwar jetzt nachmachen - aber wir haben den Platzvorteil, und die hübscheren Buttons! Jawollja!
Am 20. Dezember 2006 um 04:25 Uhr
Hehe, ich kenns. “Meine” Ideen tauchen auch desöfteren mal neuverpackt im Netz wieder auf.
Am 20. Dezember 2006 um 09:22 Uhr
ich fand die hessische Mundart am besten, da ich selber gerad hier ( in Hessen ) wohne.
Ich hab sogar die Asterix babbelt hessisch am Klo ( zum lernen! )
Hessisch >> all ( wie der designierte Powergamer von Welt heute sagen würde )
dickes ++ von mir falls das hier gehen würde
Am 20. Dezember 2006 um 14:30 Uhr
Eintracht wird niemals aussterben, solange es die Frankenfurt gibt. O.o
Am 20. Dezember 2006 um 16:55 Uhr
Hah, ich will mich ja hier nicht brüsten, aber ich gehöre anscheinend schon seit Jahren unbewust zu den Wortrettern - sagt jedenfalls meine Frau: Ich sei der einzige Mensch, den sie kennt, der das Wort “drollig” tatsächlich noch aktiv verwendet.
Ich mag dieses Wort - der Klang, die Assoziationen…
OK. hiermit verpflichte ich mich, das Wörtchen “drollig” auch mal im Blog zu verwenden und natürlich zu mailen
Ach und der Spiegel…Die rennen den Trends doch auch immer nur hinterher.
Am 20. Dezember 2006 um 19:46 Uhr
wie wäre es denn mal mit Rettereien grammatikalischer Fälle: “Und wegen unseres(!) Artikels(!) “Es sterben Worte.” von vor 6 Wochen.”
Noch ist der Genitiv nämlich nicht tot!
Dirk
Am 20. Dezember 2006 um 20:40 Uhr
@ Pizzablog :p
Am 20. Dezember 2006 um 20:52 Uhr
@Dirk: touché
davon ab würde mich immer noch interessieren, ob die formulierung “Und ebenso könnte der Torsten .. sein bevorzugt gerettetest Wörtlein… einreichen” richtig ist? das hört sich dch völlig falsch an?!
Am 21. Dezember 2006 um 02:16 Uhr
oder wäre es dann “Sein bevorzugt gerettetstes Wörtlein…”?
Ich finde meine Form umfassender, irgendwie…DROLLIGER
Aber wenn ich grad an meine OnlineTickeBuchungsAktion denke, da ist es mit meiner Eintracht bald am Ende. Wann sehen die Schergen der Bahn endlich ein, dass es durchaus noch Nichtraucher gibt, die auch einen solchen Sitzplatz reservieren wollen. Nagut nun sitz ich im “Großrauchabteil”… wetten dass mir das egal sein kann, weil ich den ICE wegen Verspätung meines “Vor-Zuges” nicht erreiche?
Gute Nacht….
(Ps: eines meiner Lieblingswörter ist das süße ‘zauberhaft’)
Am 21. Dezember 2006 um 10:03 Uhr
zauberhaft klingt schwul
Erinnert mich zu sehr an eine Kinderserie… /Hijack
Am 21. Dezember 2006 um 14:29 Uhr
Aber wenn Frauen “zauberhaft” sagen, das ist dann wieder drollig
Hmm, wieso muss ich jetzt an ein ältere Bibliothekarin denken - und an Peter Alexanders “Charlies Tanten”…(grübbel, grübbel, denk)