Zugehört XIV [Jetzt wird sich beschwert!]

In jeder Stadt gibt es sie. Jeder Autofahrer kennt sie: Ampeln, die einen an den Rand des Wahnsinns bringen. Ampeln, die jeden Verkehrsplaner in den sicheren Freitod treiben, weil es definitiv keine ideale Schaltphase gibt, bei der der Verkehr nicht irgendwie gestört wird. Entweder sind ihre Grünphasen zu kurz, so dass die Fußgänger per Sprint die Straße überqueren müssen, um halbwegs lebendig auf der anderen Seite anzukommen oder aber ihre Rotphasen zu lang, so dass sich die wartenden Autofahrer ins Lenkrad verbeissen. Kurzum: Ampeln, die immer irgendwen zum Verzweifeln bringen.

Eine solche Ampel ist die an der Kreuzung Mariendorfer Damm/ Kaiserstraße in Berlin-Mariendorf. Und zwar besonders, wenn man von der Kaiserstraße kommend links auf den Mariendorfer Damm einbiegen will. Was, gerade in den gängigen Hauptverkehrszeiten, viele Berliner tun wollen. So auch der Bus 282 im direkten Anflug auf eine seiner Haltestellen: Den U-Bahnhof Westphalweg.

Eine Dauerbaustelle an dieser Kreuzung macht das Links-Abbiegen-Vorhaben nicht einfacher - und egal, wie lange die Ampel grün geschaltet ist: Irgendwer anders hat doch immer noch Vorfahrt und zwingt den wartenden Autofahrer zum rumstehen. Bis es wieder rot wird. Dann muss er auch stehen. Bis es wieder grün wird, wo er dann auch stehenbleiben muss. Weil ja irgendwer noch auf der Kreuzung steht, der fahren will. Ist der dann weg, ist die Ampel auch wieder rot. An Tagen, an denen der Verkehrsgott dann so richtig schöne Scheisslaune hat, kann es dann durchaus mal passieren, dass man 4 bis 5 Ampelphasen an dieser vermaldeiten Abbiegung steht und grade mal eine Autolänge nach vorne gerutscht ist.

So ein Tag war vorgestern: Der 282er, vor ihm 5 PKWs, auf der Zielgeraden zur Haltestelle Westphalweg, kam einfach nicht über diese seltsame Kreuzung. Was einen Fahrgast im mittleren Alter in richtiggehende Rage brachte: Er schimpfte und jammerte in einem fort, erst leise, dann lauter vor sich hin. Schlussendlich stürmte er nach Vorne zum Busfahrer und schüttet all sein Unwillen ob dieser Situation diesem ins Lenkrad:

Er soll jetzt bitte fahren. So würde das doch nicht gehen. Seit über 10 min säße er hier in diesem Bus fest. Er hätte schon 3 U-Bahnen verpasst. Er würde zu spät kommen. So ein großer Bus käme doch locker über so eine kleine Ampel (O-Ton!) Wie die bvg dazu kommt, solch unfähigen Busfahrer einzustellen, die nicht mal einen Bus über die Kreuzung fahren können, nur, weil da eine rote Ampel ist. Busse hätten immer Vorfahrt, das wisse doch jedes kleine Kind. Wo er seinen Führerschein gewonnen hätte… Undsoweiterundsofort…

Der Busfahrer an sich blieb ganz cool und sagte eigentlich gar nix zu dem Ganzen. Was wohl, angesichts der Tatsache, dass eben noch 5 Autos vor ihm (zwischenzeitlich waren’s dann nur noch 4, irgendwann gar nur noch 3) standen, die vernünftigste Lösung war. Und irgendwann war’s dann auch geschafft: Begleitet vom unentwegten Gezeter des besagten Fahrgastes nahm der 282er die Linkskurve und konnte an seiner Haltestelle den erzürnten Menschen in die Freiheit entlassen. Der stürmte aus dem Bus mit den unheilvollen und lautklingenden Worten in Richtung des Busfahrers:

“Dies wird Konsequenzen haben, über sie werde ich mich beschweren, aber richtig! Sowas Unfähiges auf die Menschheit loszulassen, ist ein Verbrechen, das geahndet werden muss.”

Der Busfahrer selbst schüttelte ein bisschen den Kopf und fuhr dann weiter.

Jetzt frag ich mich wie der angekündigte Beschwerdebrief wohl aussehen wird. Etwa so wahrscheinlich:

Sehr geehrte bvg,

ich fordere Sie umgehend auf, den Busfahrer Hans Müller, der am Donnerstag, den 03. Mai 2007 unter Beachtung aller geltenden Gesetze der Straßenverkehrsordnung, seinen Bus nicht über 5 vor ihm wartenden PKWs an der Kreuzung Mariendorfer Damm/ Kaiserstraße hinwegrollte und damit nicht mindestens 5 PKW-Fahrer in den sicheren Tod beförderte und der nicht etwa 10 bis 15 bei grün passierende Fußgänger zermatschte, indem er sie nicht einfach überfuhr, weil er nicht bereit war, über eine rote Ampel zu fahren, per Kopfschuß hinrichten zu lassen.

MfG, ein unzufriedener Fahrgast

Oder wie?

4 Meinungen der Mitfahrer vorhanden zu “Zugehört XIV [Jetzt wird sich beschwert!]”

  1. opatios

    Führerschein für Bus- und Bahnfahrgäste JETZT !!

  2. Matthias

    Der Busfahrer war wohl kein echter Berliner, sonst hätte er dem was geflüstert :D

  3. Andreas

    Was passiert wohl, wenn der schimpfende Fahrgast ‘nen Panzerführerschein macht?

  4. Lim_Dul

    Würde der überhaupt einen bekommen?

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