Verhandlungen zwischen GDL und Bahn gescheitert - Streiks drohen

Ich haben einiges an Berichten nachzuholen. Der letzte Artikel hier stammt noch aus dem August, bevor die Verhandlungen zwischen Bahn und GDL nach dem Schlichtungsverfahren so richtig gestartet sind: Der Kompromiss von GDL und Bahn - was steckt dahinter?

Die Kernpunkte nochmal kurz zusammengefasst:

Die Eckpunkte sind:

  • Die Bahn verhandelt mit der GDL über einen eigenen Tarifvertrag
  • Die GDL verhandelt zusammen mit Transnet/GDBA über ein neues Entgeltmodell
  • Die GDL spricht in diesen Verhandlungen grundsätzlich nur für die Lokführer, nicht für das gesamte Fahrpersonal

Nun zu den Verhandlungen.

Erste echte Runde am 14.9

Die GDL hat in der Verhandlungen mit der Bahn wohl wieder ihren ehemaligen Fahrpersonaltarifvertrag vorgelegt. Hauptänderung war, dass als Ergebnis der Schlichtung nur noch die Lokführer drinstanden. Ansonsten hat sich wohl nicht viel geändert. Die Bahn war aber der Ansicht, dass erst mit Transnet/GDBA über Verfahren und Inhalte geredet wird und es vorher keine alleinigen Verhandlungen mit der GDL gibt.

Die Verhandlungen wurden dann um eine Woche vertagt und die Deutsche Bahn wollte dann ein Gegenangebot vorlegen.

Zweite Runde am 20.9

Am 20.9 wurde wieder verhandelt. Nach der Verhandlungsrunde erklärte die Gewerkschaft Transet die Verhandlungen für gescheitert. Laut Aussage von Transnet wollte die GDL nicht in Kooperation mit Transnet über den Lokführertarifvertrag verhandeln. Außerdem soll die GDL ihre Forderungen teilweise wieder auf das gesamte Fahrpersonal ausgedehnt haben.

Dritte Runde am 25.9

Am 25.9 hat dann die GDL wieder mit der Bahn verhandelt. Laut Aussage der GDL hat die Deutsche Bahn nur das Angebot vom August vorgelegt, was keinen eigenen Tarifvertrag beinhaltet. Die Deutsche Bahn macht für das Scheitern diese Runde die Lohnforderungen der GDL verantwortlich und die Tatsache, dass die GDL nach ihrer Aussage nicht den anderen Gewerkschaften kooperieren will.

Endgültiger Bruch am 26.9

Die Bahn hat der GDL anscheinend ein Angebot gemacht. Laut Aussage der GDL sieht es wie folgt aus:

  1. Beitritt zum Tarifvertrag der Tarifgemeinschaft Transnet/GDBA (TG) vom 9. Juli 2007.
  2. Gespräche zur Entgeltgruppenstruktur für Lokführer, die nach Auffassung der DB einen längeren Zeitrahmen in Anspruch nehmen.
  3. Verhandlungen über höhere Verdienstmöglichkeiten für Lokführer, die zwischen 2,5 und fünf Prozent ausmachen können. Dazu müssten die Rahmenbedingungen des Arbeitszeittarifvertrages geändert werden (im Klartext: Arbeitszeitverlängerung!).

Woran lags?

Woran lag es nun, wer hat Schuld? Liest man die Gegenseitigen Anschuldigungen in den Pressemitteilungen, so haben beide Seiten - GDL und Bahn - Schuld am scheitern. Beide Seiten haben die Ergebnisse des Moderationsverfahren sehr großzügig ausgelegt.

So war das Kernergebnis für die Bahn, die GDL verhandelt zusammen mit Transnet/GDBA und sorgt gemeinsam mit den Gewerkschaften, dass sich der eigene Lokführertarifvertrag in den Tarifvertrag der Bahn eingliedert. Wobei eingliedern anscheinend heißt, dass er auch nahe dem Abschlus von Transnet/GDBA sein soll. Entgegenkommen der Bahn war, dass der Tarifvertrag dann vermutlich “Lokführertarifvertrag” heißen darf.

Für die GDL hingegen war das Kernergebnis, dass die Bahn mit der GDL (und nur mit der GDL) über einen eigenen Tarifvertrag. Und dabei geht es in erster Linie um die Forderungen der GDL und erst in zweiter Linie, wie das zum Rest des Systems passt. Das Entgegenkommen der GDL war, dass parallel mit den anderen Gewerkschaften über ein vernünftiges Entgeltmodell verhandelt wird.

Und diese beiden Positionen sind unvereinbar. Im Nachhinein kann man sagen, dass Moderationsverfahren hat genaugenommen garnichts gebracht. Die beiden Parteien sind sich dabei anscheinend nur Millimeter entgegengekommen und stehen immer noch ein Fussballfeld auseinander. So schön dass Ergebnis Ende August in den Pressemiteilungen klang, so wenig ist davon übriggeblieben.

Wie gehts weiter?

Nachdem die Verhandlungen nun abgebrochen sind und die Positionen der beiden Parteien immer noch weit auseinanderliegen scheint alles auf einen erneuten Arbeitskampf ab Oktober hinauszulaufen. Ob bereits am 1.10 gestreikt wird oder erst später ist noch unklar. Genauso ist unklar, ob mit oder ohne Vorwarnung und ob die Bahn wieder die Gerichte bemüht. Es bleibt also spannend.

3 Meinungen der Mitfahrer vorhanden zu “Verhandlungen zwischen GDL und Bahn gescheitert - Streiks drohen”

  1. Bahnblog » Blog Archive » In der kommenden Woche wird gestreikt

    […] Bei bahn-spass.de kann man eine kurze Übersicht über den Verlauf der Verhandlungen zwischen Bahn und GDL. […]

  2. clekis

    Kurzer Hinweis:
    Streik am Freitag
    01.10.2007 - „Die Deutsche Bahn hat sich bis zum Ablauf der im Moderatorenverfahren festgelegten Friedenspflicht am 30. September 2007 geweigert, mit uns über einen eigenständigen Lokführertarifvertrag zu verhandeln. Sie trägt aus diesem Grund die alleinige Verantwortung dafür, dass es nun am Freitag, dem 5. Oktober 2007, zu einem bundesweiten befristeten Streik im Personen- und Güterverkehr kommen wird.“ Das sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Manfred Schell, heute in Frankfurt/Main. Die genaue Streikzeit wird die GDL am Donnerstag bekannt geben. …”

    Quelle: http://www.gdl.de

  3. Thomas Rothe

    Ich finde es eine riesen “Sauerei” und wirtschaflich eine mittlere Katastrophe, dass sich die GDL es so einfach macht und auf Ihre Vahandlungsprobleme auf die Reisenden abwälzt. Meineransicht nach macht sie es sich hier zu einfach, und freut sich im Nachhinein noch, wie toll die Leute alle auf den Bahnhöfen sich die Beine in den Bauch gestanden haben.

    Leztendlich wurde im Laufe der Jahre verpasst den Lokführern ein angemessenes Gehalt zu zahlen, sonst würden jetzt nicht so hohrente Forderungen heraus kommen.

    Natürlich ist es nicht einfach eine Verhandlung ohne Druckmittel zu führen, aber diese Lösung ist nicht fair und nicht korrekt. Die streikenden Lokführer sollten mit Ersatzpersonen ersetzt werden, solange, bis Ihnen bewusst ist wie wichtig Ihr Job für sie selbst und die Volkswirtschaft ist! Andererseits ist es absolut legitim eine angepasste Lohnforderung zu stellen und auch erfüllt zu bekommen.

    Wenn es dem Mangment der Bahn wichtiger ist sich selbst die Taschen voll zu stopfen und die Mitarbeiter ausser acht zu lassen, dann bitte ist es kein gutes Menagment und sollte ausgetauscht werden. Fairniss muss auf beiden Seiten herrschen!

    mfg Thomas Rothe

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