Zivilcourage in der S-Bahn
Freitag, den 29. Februar 2008Ob gestellt oder echt weiß ich nicht:
Ob gestellt oder echt weiß ich nicht:
Laut verschiedenen Medienberichten hat die Bahn der GDL einen neuen Entwurf des Grundlagentarifvertrags zugeschickt. Doch aus diesen Entwurf hat die GDL zurückgewiesen, wie beispielsweise die Financial Times Deutschland berichtet. Er soll sich nur in Kleinigkeiten von dem ursprünglichen Entwurf unterscheiden. Das nächste Gespräch zwischen GDL und Bahn ist für Freitag, den 29.2 angesetzt, eventuell gibt es vorher noch ein Sondierungsgespräch.
Allerdings werden die Einigungschancen immer kleiner. So verlangt die Bahn von der GDL im Grundlagentarifvertrag, dass die GDL sich für die Lokführer bei der Gesellschaft DB Zeitarbeit als nicht zuständig erklärt. Und das ist ein gewaltiges Problem für die GDL.
… in diesem Zug weiterfahren
Der Elektronikladenblogger hat es schonmal angesprochen, die teilweise extrem niedrige Kontrolldichte im Nahverkehr. Nun, ich ärger mich darüber auch schon seit längerem.
Ich fahre seit knapp 5 Monaten regelmässig mit der Bahn zur Arbeit und meistens auch zurück. Ich hab dementsprechend eine Monatskarte. Diese ist mit über 70€ im Monat nicht gerade billig.
In diesem 5 Monaten bin ich sage und schreibe 2 1/2 mal kontrolliert wurden! (Das halbe mal kommt daher, dass zwar ein Schaffner durchgegangen ist, bevor er aber bei mir war, ich bereits am Zielbahnhof angekommen war).
Wenn man das nun mal hochrechnet, hätten mich die Kontrollen 80€ bis 120€ gekostet. Verglichen mit dem Preis des Monatsticket über 5 Monate geradezu ein Schnäppchen.
Bemerkenswert ist auch, dass zwei der drei Kontrollen an Karneval stattfanden - Weiberfastnacht und Rosenmontag, wo viele Leute mit der Bahn gefahren sind, die sonst eher selten fahren.
Die Frage die ich mir stelle ist, was könnte einem als notorischen Schwarzfahrer maximal passieren? Nicht, dass ich das vorhabe, aber interessieren würde es mich schon.
Aber zumindest wird (noch) nicht in Richtung Bahn geschossen. Das heißt, die GDL will zumindest noch nicht den Konflikt wieder aufleben lassen.
Und was macht die GDL? Setzt der Bahn ein Ultimatum:
Die GDL hat dem Arbeitgeber eindeutig klar gemacht, dass es über den 7. März hinaus keine weiteren Verhandlungen gibt. „Wenn der Lokomotivführertarifvertrag bis dahin nicht unterzeichnet ist, wird es unweigerlich zu Arbeitskämpfen kommen“, so Schell.
Knackpunkt ist der Grundlagentarifvertrag:
Der Grundlagentarifvertrag soll einerseits die Eigenständigkeit des LfTV auch für die Zukunft absichern und andererseits den LfTV widerspruchs- und konfliktfrei in das gesamte Tarifgefüge bei der Deutschen Bahn eingliedern.
Den ersten Entwurf, der wohl auch dem Spiegel vorlag, hat die Bahn anscheinend wieder zurückgezogen und will der GDL einen neuen schicken. Aber ob der neue Entwurf die Zustimmung der GDL findet, bleibt offen. Der nächste Verhandlungstermin ist wohl am heutigen Montag, dem 25. Februar. Es wird interessant, was dabei rauskommt. Mittlerweile sehe ich die Chancen auf eine Unterzeichnung bei 50/50, sprich es ist eine große Chance da, dass nun doch alles scheitert.
Vor einiger Zeit in der Regionalbahn von Bonn-Beuel nach Troisdorf erlebt. Aufgrund einer Signalstörung hatte die Regionalbahn ca. 10 Minuten Verspätung. Dies sagte der Lokführer auch vor Troisdorf durch und fügte noch den Spruch hinzu:
Für Anschlusszüge achten Sie bitte auch auf die örtlichen Lautsprecherdurchsagen am Bahnsteig
Nun muss man wissen, dass die Regionalbahn von Beuel aus kommend nicht über Köln/Bonn Flughafen fährt. Dafür fährt die S13, die in Troisdorf beginnt, über den Flughafen. Wir fuhren also nach der Durchsage in Troisdorf ein, allerdings auf Gleis 6 statt Gleis 5. Denn auf Gleis 5 stand eine abfahrbereite S13. Kaum gingen bei uns die Türen auf, setzte sich die S13 in Bewegung. Die Lautsprecherdurchsage am Bahnhof bestand wie üblich nur aus “Auf Gleis 6 herzlich willen im Bahnhof Troisdorf”. Eine Dame, die vermutlich Richtung Flughafen wollte, war verständlicherweise leicht verärgert, dass die S13 ihr vor der Nase weggefahren ist und sie nun ca. 20 Minuten auf den Regionalexpress warten musste, der ebenfalls über den Flughafen fährt.
Ich hatte es ja Anfang Februar schonmal angedeutet:
Und genau dieser Punkt war immer einer der Kernpunkte. Die GDL wollte eigenständig verhandeln ohne sich an die anderen Gewerkschaften zu ketten. Die Bahn versucht nun auf der Zielgerade diese Kette der GDL wieder anzulegen. Und wie die GDL darauf reagieren wird, ist unklar. Ich hoffe mal nicht, dass es jetzt auf den letzten Metern noch zum Scheitern kommt, aber auszuschließen ist es anscheinend nicht.
Tja, anscheinend ist es nun so weit. Der Spiegel hat anscheinend weitere Informationen:
… in diesem Zug weiterfahren
Lukas schrieb in einem Kommentar hier:
Letzten Winter (Strecke Mannheim -> Duisburg), vor dem Hbf Köln: “Liebe Fahrgäste, bitte entschuldigen Sie, dass unser Zug voraussichtlich 5min früher in Köln Hbf eintreffen wird”. Der ganze Zug (natürlich überfüllt am Sonntag Abend) hat nurnoch gelacht, und dann wurden unter den Fahrgästen andere Bahnanektoten erzählt…
Nun, was ähnliches hatte ich auch mal auf der Neubaustrecke Frankfurt - Köln. Nur das wir kurz vor der Hohenzollernbrücke warten mussten, weil wir zu früh waren und unser Gleis leider belegt war.
… in diesem Zug weiterfahren
Der Satz “Die Tickets sind zum sofortigen Reiseantritt bereits entwertet” steht an vielen Nahverkehrsautomaten dran. Komfort und Service möchte man denken. Allerdings kann sich das auch ins Gegenteil verkehren, wie Jens erfahren muss.
Wer durch zwei Verkehrsverbünde fährt, hat das Problem, dass er für die Rückfahrt das Ticket eben nicht schon vorher am Heimatautomaten kaufen kann, denn es ist ja bereits entwertet und gilt damit nur für einen bestimmten Zeitraum.
Was war nun das genaue Problem? Nun der Gute wollte von Langerwehe nach Köln und zurück fahren. Nun hat er auch ein VRS-Semesterticket, was ab der Haltestelle Düren gilt. Er braucht also eigentlich nur ein Ticket Langerwehe-Düren. Die beiden Haltestellen liegen im Aachener Verkehrsverbund (AVV). Dort zahlt man 2,70€ für diese Strecke.
Auf dem Rückweg steigt er jedoch in Köln ein. Nun hat er die Wahl in Düren auszusteigen und ein Ticket für 2,70€ zu kaufen oder bereits in Köln ein Ticket Düren-Langerwehe zu erwerben. In Köln kann man jedoch keine AVV-Tickets erwerben, weswegen er ein DB-Ticket erwerben musste. Dieses kostet aber 4€.
Laut Bericht des Kuriers scheint die Bahn in Österreich ein ähnliches Organisationstalent wie unsere Bahn zu sein. So wie unsere Bahn vom “Special Event Weihnachten” überrascht wird, so scheint die Bahn in Österreich vermutlich von der Fussball-Europameisterschaft überrascht zu werden:
Wer diese Züge und Busse fahren, begleiten und auch warten wird, bleibt allerdings offen. Denn laut ÖBB gibt es keine Urlaubssperre. “Wir setzen auf eine freiwillige Urlaubsanpassung”, so Holding-Sprecher Thomas Berger. Das bedeutet, dass auf den guten Willen und auf die Motivation der ÖBB-Mitarbeiter vertraut wird. Diese aber wollen sich das Kicker-Spektakel nicht entgehen lassen und wollen in den Urlaub gehen. Es droht ein peinlicher Personalengpass.
Zwar schön für die Mitarbeiter, aber eine gute Vorausplanung ist das nicht. Aber es ist ja noch viel Zeit, sich drum zu kümmern.
Eben (~16.00 Uhr) in der Stadtbahn zwischen Siegburg und Bonn:
Eine Gruppe halbwüchsiger Mädels (geschätzte 14 Jahre alt) ist offenbar auf dem Weg zu einer Party. Eine von ihnen holt ihr Handy raus und ruft wen an: “Hey Schatz, kannst du Mama anrufen und ihr sagen, dass ich nicht jetzt, sondern erst mit der letzten Bahn zurückkomme? Danke!”
Die letzte Bahn kommt um ~2 Uhr nachts in Siegburg an - ob sie wirklich erst mit der zurückfahren will??