Live aus dem Streik.
Ich habe einen Führerschein. Ich habe kein Auto. Ich habe nicht kein Auto, weil ich Autos doof finde oder gar eine fanatische Umweltschützerin bin. Ich habe deswegen kein Auto, weil ich in Berlin wohne. Man braucht kein Auto, wenn man in Berlin wohnt. Weil das ÖPNV-Netz derart gestrickt ist, dass man zu nahezu jeder Tag und Nachtzeit überall hinkommt. Vorausgesetzt: Man hat eine gültige Fahrkarte. Die habe ich. Und…
…natürlich vorausgesetzt, die BVG hat ihre Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen auch rollend auf der Straße unterwegs. Was sie derzeit nicht hat, denn die BVG wird bestreikt, das ist hinlänglich bekannt.
Anfang Februar irgendwann, da gab es bereits schon mal eine Arbeitsniederlegung bei der BVG. Die war angekündigt für irgendwas Freitag Abend bis Samstag mittag - oder so. Und wurde kurzerhand vorverlegt auf Streikbeginn Freitags früh morgens. Bekanntgegeben wurde die Vorverlegung irgendwann im Laufe des Donnerstags-Nachmittag davor - bis diese Nachricht bei mir ankam, war es Abends 20 Uhr und ich war stin_ke_sau_er. Und das möchte ich begründen:
Ich war deswegen so stinkesauer, weil ich es mich irgendwie von hinten durch die Brust in’s Auge getroffen hat. Ich fahre tagtäglich irgendwas zwischen 2,5 und 3 h mit Öffentlichen Verkehrsmitteln und zahle monatlich 70 Euro für meine Fahrkarte. Was es mir wert ist und, das sage ich ganz offen - ich wäre auch bereit noch mal 10 Euro mehr zu zahlen. Denn ich sehe den Sinn dieser Streikerei durchaus ein. Wer arbeitet, soll Geld dafür kriegen und zwar angemessen. Und wenn jemand unterbezahlt ist, so muss er eine Gehaltserhöhung bekommen. Das ist meine einfach formulierte Meinung zu diesem Thema - und wenn eine Fahrpreiserhöhung die Folge einer solchen Gehaltserhöhung ist, so bin ich im Rahmen dessen, was mir möglich ist, absolut bereit diese mitzutragen. Denn, wie eingangs formuliert, ich schätze den ÖPNV sehr und ich nutze ihn auch intensiv. Ich hätte damals, Anfang Februar, einfach gerne ein paar Tage vorher gewusst, dass an jenem besagten Freitag alles stillsteht. Denn, bei aller Wertschätzung und allem Verständnis: Ich muss nämlich trotzdem Arbeiten gehen - auch, wenn die BVG streikt. Und das fand ich unfair. Ich hasse das Gefühl, wenn Dinge auf meinem Rücken ausgetragen werden, für die ich erstmal nichts kann. Dieses Gefühl war das und das habe ich den Streikenden richtig übelgenommen. Denn es war ein halber Handstand von Nöten, um kurzfristig zu sichern, dass ich an diesem Freitag-Streiktag trotz stehender BVG-Fahrzeuge in’s Büro und auch wieder nach Hause komme. Liebe BVG-Mitarbeiter: Nix für ungut, aber das fand ich so richtig schön scheisse.
Beim heute beginnenden Streik war’s anders. Jetzt zähle ich zu den Glücklichen, deren Chef einfach abgewunken hat, als das Thema “Streik” angeschnitten wurde und der meinte: “Nimmste halt ‘nen Firmenwagen für die Zeit. Autos sind ja dazu da, dass sie gefahren werden.” So war das aktuelle Streikproblem nie ein Problem für mich.
Ab kommenden Montag streikt die Bahn ja nun auch noch - was die S-Bahnen dann auch zum Stillstand bringen wird. Ich kenne einige Berliner, die ab Montag ein echtes Problem haben.
Ich will nicht moralaposteln - aber irgendwie wünsche ich mir manchmal doch, dass doch solche Streitigkeiten, bei denen es bei den verschiedenen Streikerein aktuell geht, nicht immer zu Lasten Unbeteiligter ausgetragen werden. Naja, nur so ein paar Gedanken.
Home
Am 5. März 2008 um 19:56 Uhr
Genau wie Sie gehöre ich auch zur Fraktion “Auto in der Großstadt - warum?”. Ich genieße dabei noch den Luxus, freiwillig auf das Auto zu verzichten. Zudem habe ich Chefs, die entweder, wie vorletzten Freitag, ein Taxi bezahlen oder mich von zu Hause aus arbeiten lassen (für einen Softwareentwickler ist das nicht unbedingt mit beruflichen Nachteilen verbunden). Was ist aber mit denjenigen, die zur Arbeit müssen, nicht so verständnisvolle Chefs haben und nun vor einer unlösbaren Aufgabe stehen?
Mit den derzeitigen und angekündigten Streiks nach dem Motto “knallhart durchgezogen” verspielen die Gewerkschaftler aber letztendlich ihren größten Bonus: den Rückhalt aus der Bevölkerung. Es scheint - auch von der Informationspolitik her - als würden die Gefechte zwischen den Kontrahenten nur noch durch Scheuklappen isoliert ausgetragen.
Am 5. März 2008 um 20:54 Uhr
Tja, ich werde am Montag besagtes Problem haben weil ich mit einem Fernverkehrszug pendle. Ich werde dann entweder mit dem Auto fahren oder solange der Streik dauert mir ein Hotelzimmer in der nähe meines Kunden nehmen. Die zusätzlichen Kosten gehen von meinem Einkommen ab. Danke! Die verlorene Freizeit noch gar nicht mitbetrachtet.
Und ehrlich gesagt die kindischen Verhandlungen bei Arbeitskämpfen stinken mir gewaltig. Die Arbitgeber sollten endlich aufhören mit minimalangeboten die Mitarbeiter zu veralbern und die Gewerkschaften sollten realistische Forderungen stellen. Dann wird man feststellen daß man nicht so weit ausseinander ist und die Verhandlungen seriös und professionell führen. Und am besten mit Leuten die Ahnung vom Verhandeln haben und nicht mit Profilneurotikern wie Schell/Mehdorn z.B. der Bahn
Und nein, ich habe kein Verständnis dafür wenn wesentliche Infrastrukturen einfach so lahmgelegt werden. Ich arbeite für Banken und ich würde gerne mal sehen was los wäre wenn der Zahlungsverkehr mal für ein paar Tage stillsteht. Gehalt? Sorry erst mal nicht. Bargeld am Automaten..upps diese Woche nicht…Rechnungen bezahlen…nächsten Monat wieder… Verantwortung für die Aufgabe die man übernommen hat tritt leider immer mehr in den Hintergrund, schade damit verspielen wir einen der wenigen Wettbewerbsvorteile dieses Landes…
Am 6. März 2008 um 08:04 Uhr
Aber was sollen die denn tun?
Ohne Arbeitskampf stellen sich die Verantwortlichen quer und tun erstmal garnicht - sprich, keine Gehaltserhöhung. Dass der Arbeitskampf auf dem Rücken der Pendler und Reisenden ausgetragen wird hat den einfachen Grund, weil das Unternehmen eben so gestrickt ist. Es ist ein öffentliches Transportunternehmen. Es KANN keinen Streik ohne Schäden für die Pendler geben.
Falls irgendwer hier eine alternative Idee hat, bittesehr. Ich bin sehr gespannt. Ich denke aber, ein stiller Protest (z. B. rote Pappnasen aufsetzen, aber weiterfahren) brächte nicht *die* gewünschten Ergebnisse.
P.S.: Glaube vorgestern war es, wurde wieder ein BVG-Busfahrer zusammengeschlagen.
Am 8. März 2008 um 17:34 Uhr
Ich finde anstatt auf die Auswirkungen des Streiks und auf die Streikenden zu schimpfen ist der falsche Weg. Solidarisiert euch mit den Streikenden und vergrößert so den Druck auf die Arbeitgeber, anstatt dem kleinen Mann in den Rücken zu fallen. Je größer auch der Druck der Kunden auf die Arbeitgeber wird, desto eher ist der Streik auch zu Ende
Am 8. März 2008 um 19:26 Uhr
@Simon
Druck auf Arbeitgeber vergrößern? Äh…. Vorschläge:
-Keine (Pendler-)Fahrkarten mehr kaufen, weil man nicht weiß, ob irgendwas fährt?
-Mehdorn und Schell zum Essen einladen, wenn man ich selber koche (Höchstdruck/-strafe) und gut zureden
-Keine Monatskarte kaufen und 35 km laufen (einfache Strecke)
-Mehdorns/Schells Dienstwagen anfordern für mich?
-Taxirechnung an Mehdorn/Schell?
für Öffentlichen Dienst:
-Kinder bei Schäuble abgeben statt im Hort
-ebenfalls Taxirechnung bei Schäuble/Bürgermeistern abgeben
-Bsirske und Schäuble in ein Zimmer Sperren und Schlüssel verlieren
-Mehdorn und Schell in einen Sack stecken, zubingen, draufhausen, es trifft schon den Richtigen….
Entschuldigung für die blöden Vorschläge, aber es waren Spontaneinfälle. Für bessere bin ich zu haben.
Am 11. März 2008 um 17:28 Uhr
Guten Tag
Einige kennen mich ja aus anderen Themen hier und für die die mich nicht kennen,
Ich bin Busfahrer bei der BT - Berlin Transport GmbH und ich bin ein sogenannter Altbeschäftigter der Firma.
Der Kommunale Arbeitgeber Verband hat am 28.01.2008 folgende Pressemitteilung herausgegeben!!
Zitat:
Pressemitteilung
Arbeitgeberverband hat kein Verständnis für Warnstreiks bei der BVG
Berlin, 29.01.2008.
Der Kommunale Arbeitgeberverband Berlin, Verhandlungsführer der Arbeitgeberseite
bei den BVG-Tarifverhandlungen, hält Streiks für kein geeignetes Mittel, einen
Tarifkonflikt zu lösen.
Entgegen der Darstellung der Gewerkschaft verdienen neueingestellte Busfahrer bei einer
39 Stunden-Woche mit Zuschlägen nicht 1600 €, sondern bringen 2100 € nach Hause. Die sogenannten
Altbeschäftigten bekommen darüber hinaus weitere 300-400 € in Form
eines Sicherungsbetrages.
Zitat Ende!!
Ich sehe mich gezwungen ihnen mal die wirklichen Zahlen zu Übermitteln!! Abgeschrieben aus meiner Januar Abrechnung!!
Tarifliches Monatsentgeld: 1702,85 € Tarifgruppe 5 Stufe 2
Sicherungsbetrag: 163,51€
Schichtzulage: 75€
VWL AG Anteil : 26,59€
Nachtzuschlag: 58,04€
Samstagszuschlag: 15,76€
Sonntagszuschlag: 35,02€
Zuschlag Geteilter Dienste 02,00€
Krankendurchnittsvergüttung für 4 Tage: 13,96€
das macht ein Gesamt BRUTTO Einkommen von 2092,73 Euro
das macht ein Gesetzliches Netto von 1622,97€
und einen Auszahlungsbetrag in Höhe von 1583,09
und die Politiker und der KAV stellen sich hin und behaupten das ein Neubeschäftigter 2100€ mit nach Hause nimmt und ein Altbeschäftigter, wie ich, müßte dann ja zwischen 2400€ und 2500€ mit nach Hause nehmen!!Wenn ich das hätte würde ich nicht Streiken brauchen!!!
Dann muß ich ja mal fragen dürfen wo mein restliches Geld jeden Monat bleibt?
Am 15. März 2009 um 00:21 Uhr
Die Zahlen sind wirklich aussagekräftig!! Das hätte ich wirklich nicht geglaubt, dass es im Endeffekt nur ein solcher Auszahlungsbetrag ist, der gerademal das Auskommen sichert. Traurig.
Am 1. November 2009 um 18:24 Uhr
Zahlen hin oder her. Ein Streik nervt auf der einen Seite immer aber irgendwie ist es verständlich für die Leute die streiken…
Am 10. März 2010 um 17:16 Uhr
Ich wollte Euch hiermit sagen, dass ich Eure Seite sehr schön finde und da es mir so gut gefallen hat. Werde ich Euch weiterempfehlen!! Und einen netten Gruss hinterlass ich euch auch. Ich würde ich mich über einen Gegenbesuch auf meiner
Webseite “Urlaub auf Sylt oder an der Ostsee” sehr freuen.
Am 22. Mai 2010 um 17:12 Uhr
Complimenten voor jullie website,
met vriendelijke groet!