Bahnfahren mit Einkaufswagen

Blogleser André hat mir vor kurzem folgenden Beitrag geschickt, den ich einfach mal unkommentiert hier einstelle:

Ich hab ja auch schon einiges mit der Bahn erlebt, aber mein letztes Ereignis hat mich absolut sprachlos gemacht.

Zusammen mit einigen Freunden begaben wir uns nach Norddeutschland, genauer gesagt nach Scheessel aufs Hurricane. 5 Tage (An- und Abreisetag mitgerechnet) Festival und Camping.

Dementsprechend ausgerüstet bepackten wir einen umgebauten Einkaufswagen mit Zelten, Bier, Schlafsäcken und was man sonst so braucht. Die Hinfahrt verlief ereignislos, abgesehen davon dass - wohl wegen eines Defekts - kein Fahrradabteil vorhanden war. Aber egal, wir schafften es 4 Personen und den Einkaufswagen in den Einstiegsbereich des IC der 1. Generation zu quetschen:

Einkauswagen im ICE 1


Auf dem Rückweg hatten wir nicht so viel Glück.

Bis Bremen kein Problem - der Metronom war sehr leer, die grosse Abreisewelle fand vor uns statt. Aber dann in Bremen ging der Ärger los. Die Schaffnerin im IC verweigerte uns den Einstieg, mit der Begründung, das Fahrradabteil sei zu voll. Bitten, betteln, streiten - nichts half. Zumindest wurde uns auf unserem Ticket bestätigt, dass uns der Eintritt verwehrt wurde. Dieses hatte nämlich Zugbindung.

Verärgert suchten wir den Servicepunkt am Bremer Hbf auf, erläuterten die Situation und verlangten Klärung. Schliesslich wollten wir ganz gerne nach Hause, zu einem eiskalten Bier und in die Badewanne. Die Servicekraft griff also zum Telefon, rief irgendeinen Vorgesetzten an und verkündete uns dann….

…dass wir Scheisse fressen und sterben sollen. Naja, nicht wörtlich, aber man teilte uns unmissverständlich mit, dass:

1. die Schaffnerin sich vollkommen korrekt verhalten hätte
2. wir mit einem Einkaufswagen ohnehin eine Extrakarte, Reservierung und wer was weiss noch bräuchten, da wir ja nur so viel Gepäck mitnehmen dürften wie wir tragen könnten
3. weiterhin unsere Karte jetzt verfallen wäre, und wir doch bitte eine neue kaufen sollten, sonst wären wir Schwarzfahrer.

Selbst jetzt fehlen mir immer noch die Worte. Es erfüllt mich allerdings mit unheimlicher Erleichterung, dass ich meine Bahncard 50 rechtzeitig gekündigt habe.

Aber zurück nach Bremen: nach einer gemeinsamen Manöverbesprechung beschlossen wir, uns von unserem Transportmittel zu trennen, auch wenn einige Stunden Arbeit + Erinnerungen drinsteckten. Ach ja, liebe Bahn:

WIR HABENS GESCHAFFT, ALLES ZU TRAGEN!

Nur den Einkaufswagen nicht. Den haben wir stattdessen den Bremer Punks gespendet. Vielleicht haben wir Glück, und die fahren damit Bahneigentum kaputt.

Grüsse, André

15 Meinungen der Mitfahrer vorhanden zu “Bahnfahren mit Einkaufswagen”

  1. Percy

    Ganz ehrlich: Eine solche Müllkippe wie auf dem Bild gehört auch nicht in den IC. Wo kämen wir hin, wenn jeder irgendwelche Einkaufswagen mit in den Zug nähme? Hier hat die Bahn nur im Interesse der übrigen Kunden gehandelt.

  2. Tina love Tischdecken

    Ja des sehe ich auch so. Das ist doch zu größten Teil wirklich nur Müll. So etwas würde mich als mitfahrer auch stören

  3. Smartdriverin

    Mich stört in Zügen sowas nicht, solange es halbwegs ordentlich aufgestapelt ist und niemand behindert und schön alles wieder mitgenommen wird. WAS mich in Zügen stört sind die überlauten MP3Player mit gleichzeitig brüllend geführter Unterhaltung der Besitzer, die mich daran hindern, etwas konzentriert zu lesen. WAS mich in Zügen stört sind Leute, die ihr Handy umklammern wie ein Rettungsringlein, dem andern Ende ihr privatestes Privatleben erzählen, so dass ich Sachen mitkriege, die ich niiiiieeee wissen wollte. Soweit ich mitkriege, ist der mitgeführte Müll ruhig, stinkt nicht und futtert im Zug kein Döner (mief). Wass also stört an dem Haufen????

    Sorry, wie ihr vielleicht ahnt, bin ich Pendlerin :-)

  4. eldersign

    Sorry, aber hier kann ich auch nur mit den Achseln zucken. Ich habe ja nichts dagegen, wenn jemand so etwas macht. Aber es hätte sicher nicht geschadet, sich vorher mal zu informieren. Die Beförderungsbedingungen sind in diesen Dingen ziemlich eindeutig. Und wenn man es schon durchzieht, hätte ich wenigstens mal eine Fahrradkarte für das Teil gelöst und damit zumindest guten Willen gezeigt.

    Ich denke, hier ist der Bahn mal wirklich nichts vorzuwerfen - Außer vieleicht, dass es auf den einzelnen Mitarbeiter ankommt und nicht alle die gleichen Maßstäbe anlegen. Naja, und Punkt 3 ist auch nicht ganz verständlich. Blöde Zugbindung eben, sowas würde ich auch nie kaufen.

  5. metal-heli

    Den Einkaufswagen möchte ich mal unkommentiert lassen… aber zwecks Ticketungültigkeit würde ich mich höflich an den Kundendialog wenden, das find ich jetzt ersmal so nicht ok

  6. eldersign

    @metal-heli
    Ich denke, das wird man sich sparen können. Die Antwort liegt doch auf der Hand: Die Fahrkarte hatte Zugbindung und der gebuchte Zug ist aus Gründen, die ausschließlich der Fahrgast zu vertreten hat, nicht erreicht worden. Damit ist der Anspruch weiter befördert zu werden, dahin.

    Nicht das ich das gut fände, aber ich halte Zugbindung auch für eine der dämlichsten Aspekte im Tarifsystem der Bahn.

  7. Liam

    Ich finde das Problem liegt eher an der Tatsache, das Züge in Deutschland nie genug platz für Fahrräder/sonstiges haben, obwohl in Deutschland so viele Fahrradtouren machen. Ich war nie am Wochenende im Zug als es nicht voller als voll war.

  8. André

    Wir *haben* vorher am Bochumer Hbf gefragt. Dort sah man keinerlei Probleme. Auch die Schaffnerin auf dem Hinweg sah keine Probleme. Selbst der Eigentümer des Fahrrads fühlte sich nicht durch uns gestört.
    Zugbindung haben wir aufgrund der Kostenersparnis gebucht; dabei wählten wir bewusst Züge mit Fahrradabteil. Und ich sehe es *nicht* als mein persönliches Verschulden an, wenn an einem regulären Montag Nachmittag das Fahrradabteil laut Schaffnerin zu voll ist. Da erwarte ich von der Bahn zumindest die Kulanz, mich in einem anderen Zug zu befördern; mir stattdessen erneut Geld aus dem Kreuz leiern zu wollen ist allerdings mehr als unverschämt.

  9. dunni

    Es gibt nicht umsonst eine Reservierungspflicht für Fahrräder in ICs.

  10. eldersign

    @Andre: Okay, wenn ihr gefragt habt, dann ist es tatsächlich nicht eure Schuld. Da hatten wohl ein paar Bahnangestellte nicht den den Arsch in der Hose, euch die korrekte - also ablehnende - Auskunft zu geben.

  11. Zello

    also ich frag mich zwar nur WO da der einkaufswaagen ist, aber ok, hab ihc noch nie gesehen nen EKW im zug. aber wenn die bahnleut sagen: jo ok. dann würd ich sagen: nächstbeste verbindung raussuchen und mit dem gestempelten ticket weiterfahren und ggf am ende noch beschwerde einlegen.

  12. Sebl

    Ich finde da hat sich die Schaffnerin korrekt verhalten. Nur das dann gleich das Ticket ungültig wird, empfinde ich auch nicht als ok. Die Fahrradabteile bei der Bahn sind nämlich echt nen Witz. Letztens bin ich wieder mal an einem sonnigen Samstag um 9:00 mit dem Emsland-Express von Münster richtung Emden gefahren. Es gab ein mini-Fahrradabteil bis Rheine. Das war ca. 1/2 Waggon groß, wurde aber von den meisten Leuten mit ihren Koffern und Reisetaschen belegt, weil die Gepäckablagen in diesem RE aberwitzig schmal sind. Ab Rheine gabs dann auch nur noch nen 1/3 Waggon … und dafür bezahlt man 4,50, dass einem sein teures Fahrrad von Koffern, Gepäck und Menschen zerdrückt wird.

  13. Mehlkorn

    Was wollt’ihr eigentlich???Wem die Bahn nicht passt,der kann ja mit’n Bus fahren oder mit’n Einkaufswagen…Lasst Euren Müll zu Hause oder in Scheeßel wie im letzten Jahr…(alles abgesoffen),dann gibt’s auch keine Probleme!!!

  14. caro

    hmmm. interssante seite! :) Ich gehe dieses Jahr auf ein Festival und wir haben uns das gleiche überlegt… es ist halt einfach besser, weil man echt viel schweres gepäck hat, und die Wege bis zum Festival-Gelände sind weit…

    ich fände das schon voll praktisch :)
    ja, wie hast du das denn gemacht? hast du da am Schalter gefragt, ob ihr den mitnehmen dürft???

  15. Siegfried Caccia

    für das dumme Publikum: der EINKAUFSwagen ist dafür da, wofür das Wort auch steht. Und ich wette mein Monatsnetto das ihr nicht gefragt habt ob ihr den mitnehmen dürft…die Billig-Kassiererin hätte eh nicht die Befugnis…kurzum, es war Diebstahl…

    und die Beförderungsbedingungen stellt ausschließlich der Beförderer…wenn ich euch in meinem Mercedes fahren lassen würde hätte ich auch Fahrgeld verlangt und außer nem Rucksack hätte nix mitgenommen werden können. Wer zu dumm ist die entsprechenden Bedingungen zu lesen, selber schuld.

    Und zum Thema Zugbindung -oder nicht; Guckt euch mal die Ticketpreise ohne diese an, und vergleicht…fällt euch da was auf?

    wenn man keine Ahnung hat sollte man seine fr…ich berichtige, seinen Schnabel halten ;-)

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