Personalmangel an Bord

Neulich im ICE von Berlin nach Frankfurt folgende Durchsage (sinngemäß):

“Sehr geehrte Damen und Herren, wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass aufgrund kurzfristigen Personalmangels dieser Zug nicht mit genügend Zugbegleitern besetzt ist. Aufgrund der hohen Sicherheitsbestimmungen der Deutschen Bahn sind wir daher leider gezwungen, die Wagen 5, 6, 7 und 8 für Fahrgäste zu sperren. Wir möchten Sie daher bitten, die Wagen selbstständig zu räumen und in die vorderen Wägen umzuziehen. Sollten Sie dies nicht tun, dürften wir unsere Fahrt nicht weiter fortsetzen, was eine Verspätung von mindestens 40 Minuten zur Folge hätte. Wir bitten Sie, die Unanehmlichkeiten zu entschuldigen.”

Da stellt sich mir die Frage: Warum fahren viele Regionalzüge komplett ohne Zugbegeleiter durch die Gegend, aber bei Fernverkehrszügen müssen schon komplette Wagen gesperrt werden, wenn im Zug nicht mehr die volle Anzahl an Zugbegleitern vorhanden ist?

Vielen Dank an Benny für den Hinweis.

25 Meinungen der Mitfahrer vorhanden zu “Personalmangel an Bord”

  1. Martin

    Hmm, das klingt irgendwie nicht besonders logisch. ICE’s haben doch gar keine einstelligen Wagennummern und mir kommt nicht ganz in den Sinn warum der Zugchef da so genaue Angaben zur Verspätung machen kann.

  2. Matze

    Der ICE 1 hat auch einstellige Wagennummern, und laut der Zugnummer handelte es sich um einen ICE1:
    http://kursbuch.bahn.de/hafas-.....kizzen.pdf
    oder auch: http://www.grahnert.homepage.t.....91-200.pdf

    Ich denke mal die Verspätungsangabe wäre der Zeitpunkt gewesen, wie lange es dauert, dass Ersatzpersonal vor Ort ankommt.

  3. Manuel

    Verständlich ist das nicht. Ich dachte immer, die vorgeschriebene Anzahl an Personal hängt mit der Menge der Fahrgäste ab. Wahrscheinlich mit der potentiellen Menge der Fahrgäste, also der Sitzplätze.

    Wenn die Fahrgäste aber jetzt einfach sich auf weniger Wagen verteilen, werden es ja auch nicht weniger Leute.

    Und auch nicht weniger Sitzplätze, denn die 4 leeren Wagen hängen ja immer noch am Zug dran.

    Was soll also der Quatsch? Sind das wieder irgendwelche unsinnigen sich selbst uferlegten Regeln von der Bahn?

  4. Newty

    Ist doch klar: Es geht um die Sicherheit des Geldflusses. Ich habs noch nie erlebt, dass man im Fernverkehr nicht sofort das Ticket zücken musste… Wäre ja auch blöde, wenn jemand ein nicht Zuggebundenes Ticket dann 2x nutzen kann…

  5. Benny

    @Martin: Es war der ICE 277, Samstag morgens von Berlin nach Frankfurt, ergo ein ICE 1.

    Für mich war es besonders ärgerlich da ich mich (es war morgens früh um 6:45 und ich hatte die Nacht durchgemacht) grade auf der Hälfte eines Sechserabteil langgelegt hatte als die durchsage kam. Im nun vollgestopften Wagen 6 war dann an so nen luxus (3 freie Plätze am Stück) nicht mehr zu denken.

    Was die 40 Minuten angeht: Sie hat ja explizit gesagt: Mindestens 40 Minuten. Ich tippe einfach das sollte die Querulanten abschrecken, die sonst sagen würden “Ich hab aber genau hier reserviert!”. Die Leute mit reservierung durften dann auch in die Erste Klasse…

  6. Mumpakl

    Aber wenn es wirklich zwecks Ticketkontrollen sein sollte, dann wäre das auch mehr als unlogisch. Die Menschen wären dann zwar dichter gedrängt (Kontrollstrecke ist kürzer), aber die Geschwindigkeit sinkt in gleichem Maße, also bleibt die Gesamtzeit gleich.

    Und ansonsten? Was soll denn daran sicherheitsrelevant sein? Fängt einen der Zugbegleiter auf, wenn plötzlich ein Unfall wie in Eschede geschieht? Sollte man die Nothammer nicht finden können?

    Ich wäre jedenfalls aufgestanden..

    Wahrscheinlich ist der Grund irgendeine interne Anweisung, dass jeder Fahrgast das Recht hat mindestens alle 10 Minuten einen Zugbegleiter zu sehen. Klar, wenn man ohne zu kontrollieren einfach so durch rennt, schafft man das auch mit weniger Personal. Wobei ich mich auch an Fahrten erinnern kann, bei denen zwecks Messebesuch selbst der komplette Gang voll war. Keine Ahnung wie die anderen Wagen in diesem Fall dann aussahen..

  7. Johannes

    Na, meine Vermutung wäre, dass ein Zugbegleiter nur X Wägen beobachten kann beim Abfahren …

  8. Fabian Schlenz

    Jupp, das wäre auch meine Vermutung.

    Ihr kennt doch bestimmt das Verfahren bei vielen S-Bahnen? Die fahren ohne Zugbegleiter und der Lokführer schaut immer aus dem Fenster, während er die Türen schließen lässt?
    Ein Freund hat mir mal erzählt, dass dieser “Modus” auf maximal 4 Waggons beschränkt ist. Und das ist wohl auch der Grund, dass trotz ausreichend langen Bahnsteigen immer nur 4 Waggons an der S1 hängen (was definitiv zu wneig ist).

  9. Ralf Becker

    Warum hängen sie die Wagen dann noch dran und kutschen mit ihnen durch die Gegend, wenn sie sowieso gesperrt sind? Manche Dinge muss man einfach nicht verstehen.

  10. Matze

    Das ist beim ICE nicht vorgesehen, soweit ich weiß können die Wagen nur in der Werkstatt abgehangen werden.

  11. Bjoern

    @8: Das kann so nicht sein, denn im RMV fahren die Vollzüge mit 6 Wagen. Die Langzüge der S-Bahn haben sogar 9 Wagen, aber trotzdem keinen ZUB.

  12. Marc 'Zugschlus' Haber

    Ob und wieviele Zugbegleiter ein Zug braucht, hängt vom Fahrzeug und der befahrenen Strecke ab. So fahren z.B. auf den Strecken mit hohem Tunnelanteil (Hannover-Würzburg, zum Beispiel) mehr Zugbegleiter mit als auf Altbaustrecken.

    Und der ICE 1 hat halt zum Beispiel keinerlei Abfertigungshilfen, wenn die Türschließung ausgelöst wird geht die Tür zu. Sprich: Mit zu wenig Personal dürfen in den dann als unbegleitet mitlaufenden Fahrzeugen keine Fahrgäste drin sein, während eine 200-Meter-S-Bahn, deren Türen mit Lichtgitter und allem pipapo ausgerüstet sind, aus dem Führerstand abgefertigt werden darf.

    Grüße
    Marc

  13. Fritz Meier

    @11:

    Bei der S-Bahn Hamburg werden die Bilder der Bahnsteigkameras zur Abfertigung in den Führerstand übertragen. Da ist die Länge der Zuges dann egal. Rausgucken muss der Lokführer allerdings natürlich gar nicht mehr. Vielleicht gibt es das in Frankfurt auch?

  14. Bjoern

    @13: Nö, hatta nich. An gebogenen Bahnsteigen gibt es zwei Kameras (Bad Vilbel Süd), sonst nix. Könnte aber mit den Infos von 12 Marc Haber zusammenhängen.

  15. Anja

    @9,10: In Kassel wechselte die Zugbegleitung, danach war genügend Personal da und man durfte auch in die anderen Wagen.

  16. clekis

    @Björn:
    Langzüge der S-Bahn müssen immer begleitet sein. Allerdings darf der Zub dann nur im Führerstand des mittleren Wagens sitzen und warten.

    @topic:
    Es gibt Vorschriften, wieviele Wagen von wieviel Personal “gefahren” werden dürfen. Das war sicher hier auch der Fall - und damit das Problem. Das Absperren der Wagen führte dann dazu, dass die Mannschaft dann die entsprechende Wagenzahl erreichte..

  17. Benny

    Was ich mir auch vorstellen kann: Ich hatte einmal den Spaß, dass uns eine “Wildsau” (Zitat des Zugchefs) vor den IC gerannt ist und einen “Gleisräumer” abgehauen hat, der sich wohl verkantet hat so dass wir 3 Stunden vor Hannover auf der Strecke standen. Der Zugchef kündigte damals an das wir vorraussichtlich über “Evakuierungsbrücken” in einen parallel haltenden Zug geschickt würden (was dann später nicht stattfand).

    Ich kann mir vorstellen dass sie im Evakuierungsfall zwei Zugbegleiter pro Wagen brauchen, dann ist die Anzahl durchaus relevant

  18. dyewitness

    @benny: Mag sein, doch…

    dann werden RB, RE und S wohl nie in Unfälle verwickelt, wo man evakuiert werden müsste. Sind damit wohl die sichersten Gefährte der Welt.

    Denn diese haben ja bekanntlich 0-0 ääh 2 ZuB.

  19. Sara Lisa

    Das ist eben Bahn’sche Logik ;) was soll man denn da schon noch grossartig erwarten. Schade, dass alles immer teurer wird, aber die Bahn selber immer unlogischer und undurchdachter. Da lohnt es sich doch glatt, den Führerschein zu machen.

  20. Chris

    +40 Minuten später, Grund: Befehlsverweigerung der Passagiere
    Stell ich mir mal lustig zu lesen vor :)

  21. Gernot

    Ist ja echt der Wahnsinn!

  22. Zub-Ruhestand

    Hier liegen wohl (fast) Alle daneben.
    Nur EIN Beispiel für Tunnelstrecken ( hier: Göttingen – Kassel).
    Jemand bemerkt einen Brand (z. B. alte Zeitung -oder schlimmer).
    Ein Reisender zieht nun im Tunnel die Notbremse.
    Der Zug bremst, gleichzeitig erhält der Lokführer ein akustisches und optisches
    Signal im Führerstand. Damit der Zug nicht im Tunnel zum Halten kommt, kann er den Zug mit einer Notbremsüberbrückung langsam aus dem Tunnel herausfahren.
    Gleichzeitig werden die Zugbegleiter durch den Zug gejagt, um die Ursache der Notbremsung festzustellen. (Feststellung des Waggons -Feuerlöscher einsetzen ect.)
    Das Bundeseisenbahnamt hat für Tunnelfahrten auf Schnellfahrstrecken eine eigene Vorschrift herausgegeben.
    Je 3 Waggons ist ein ausgebildeter Mitarbeiter Pflicht (kann auch Bordtechniker ect. Sein)!!
    Fehlt Einer, muss der Zug über die alte Strecke GÖ - Hann Münden – KS umgeleitet werden.
    Die entstehende Verspätung beträgt dann etwa 40 Minuten.

  23. mahrko

    @22 Vielen Dank für die einleuchtende Erklärung. Wieso kann der ZUB dies nicht gleich so ausführlich sagen?

  24. Sandra

    Hallo,

    wollt auch mal ne Beitrag zum Thema Personalmangel bei der Bahn geben:

    Ich unterwegs von München nach Hannover…. Ende 9. Monat schwanger… also schon relativ unbedweglich und unsicher… Dachte mir, ach buch ich 1. Klasse mit Sitzplatzreservierung dann wird scho alles gut….
    Ich fahr 3 Stunden dann hat ich riesigen Hunger und vor allem Durst…
    Hab ne Zugbegleiterin gefragt ob ich was bestellen kann… 1. Nein keine Zeit bald Schichtwechsel 2. Keine Zeit muss Karten abreißen… etc das ging dann bis Hannover so… Super Service würd ich sagen!

  25. Flo

    In DEutschland wird halt bei allem versucht, mit Vorschriften dem Bürger jegliche Verantwortung bzw. Entscheidung abzunehmen. Das Resultat sind dann solche Aktionen.

    Das ist aber wirklich ein deutsches Problem. Man sieht dies auch an der ANzahl der VErkehrsschilder und Ampeln. War vor kurzen in Bern und war echt erstaunt mit wie wenig Ampeln mann auch den VErkehr regeln kann. Subjektiv lief der VErkehr sogar wesentlich zügiger. Aber der Fahrer wird halt gezwungen mitzudenken. In D soll der Bürger aber bloss nicht mehr denken müssen.

    gute nacht flo

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