RE 9: “120 Minuten Verspätung: falscher Fahrweg”

21. Dezember 2009 von Matze

Es hat alles so perfekt angefangen… Hinfahrt von Betzdorf (bei Siegen) nach Aachen zum Weihnachtsmarkt, fast alle Züge in NRW verspätet oder ausgefallen.. aber auf den RE 9 ist Verlass, pünktlich in Aachen angekommen. Auch die Rückfahrt hat super angefangen.. der RE 4881 fuhr pünktlich (19:13) in Aachen los, fast pünktlich in Köln (20:14) angekommen, pünktlich (20:23) ist der Zug weiter nach Köln-Deutz, und auch dort nahezu pünktlich (20:28) abgefahren.
Doch kurz nach Köln-Deutz, der “erfahrende Pendler” hat es vielleicht sogar bemerkt, fuhr der RE 9 eine kleine Steigung hoch und schwenkte so langsam nach links von der Hauptstrecke ab. Das große (nicht schwedische) Möbelzentrum tauchte plötzlich auf der falschen Seite auf, der Zug hielt langsam an (ca. 20:35) und spätestens da war klar: Hier stimmt was nicht. Der RE 9 hatte die Hauptstrecke verlassen und die Flughafenschleife Richtung Köln/Bonn-Flughafen genommen.

20:38: Lokführer teilt mit, dass am Haltepunkt Köln-Steinstraße eine Weiche gestört ist, die Strecke daher gesperrt ist und der Zug daher über Köln-Bonn-Flughafen umgeleitet wird. Aufgrund eines technischen Problems an unserem Zug könne er aber noch nicht weiterfahre.

20:45: Durchsage der Zugbegleiterin, dass die Transportleitung der DB Netz in Duisburg uns über den Flughafen umleiten wollte, da der Zug aber kein Notbremsüberbrückungssystem hat wir nicht weiterfahren dürfen. Die Betriebszentrale würde jetzt noch diskutieren was mit uns gemacht wird und sich dann melden.
(Erklärung: Die Strecke zum Flughafen geht durch zwei Tunnel, insgesamt 5 km lang. Wenn während der Fahrt durch den Tunnel ein Fahrgast die Notbremse zieht, muss sichergestellt sein, dass der Zug nicht im Tunnel anhält sondern erst im Bahnhof oder nach dem Tunnel. Aus Wikipedia: “Die Notbremsüberbrückung (NBÜ) dient bei Personenzügen dazu, den Zug trotz betätigter Notbremse weiterfahren zu lassen und erst an einem geeigneteren Ort zum Stillstand zu bringen.”. Der RE 9 hat sowas aber leider nicht, normalerweise fährt er dort nicht her)

20:53: Durchsage, dass sich “DB Netz” nicht entscheiden kann, wie es mit unserm Zug weitergeht. Zusätzlich der Hinweis, dass wir nicht im Bahnhof stehen und man nicht aussteigen soll.

21:08: Der Zug bewegt sich ca. 10 Meter nach vorne und bleibt wieder stehen.

21:10: “Sehr geehrter Fahrgäste, die Transportleitung, die Leitstelle so wie der Geschäftsbereich DB Netz sind sich so langsam einig geworden wie es mit uns weitergeht.”. Geplant ist, dass unser Zug wieder zurück auf die Hauptstrecke fährt und dann wird weitergeguckt.

21:35: Der Zug fährt langsam zurück auf die Hauptstrecke, (21:45) rückwärts vorbei an einem anderen wartenden RE 9 und einer S12 (…die hätte die Umleitung über Köln-Flughafen fahren dürfen…)

22:00: Zugbegleiterin: “Juhu juhu ein grünes Signal, wir fahren!” Vorher noch Erklärung, dass der Lokführer von der Leitstelle über die Umleitung vorher nicht informiert wurde und das Zugpersonal nicht schuld ist, was aber einige Fahrgäste anscheinend nicht verstehen wollten. Mittlerweile 90 Minuten Verspätung.

22:15: “Sehr geehrter Fahrgäste, endlich ist es wieder soweit, wir erreichen einen Bahnhof! Nächster Halt Troisdorf”

Die “Transportleitung” hat noch entschieden, dass unser RE bis Au(Sieg) an den S-Bahn-Haltepunkte zusätzlich anhält. Die Zugbegleiterin versucht Taxis zu organisieren, da einige Fahrgäste ihre Anschlusszüge verpasst haben. Bei 20 Taxiunternehmen angerufen, nichts erreicht, auch die Leitstelle erreichte kein einziges Taxi.

23:33: Ankunft in Betzdorf mit 120 Minuten Verspätung

Danke an das Zugpersonal für die Bemühungen und die umfassende Information der Fahrgäste! Leider hat das nicht jeder Fahrgast so gesehen…

Wie waren eure Bahn-Erlebnisse in den letzten Tagen? Vor allem in NRW gab es einige Zugausfälle und viel Verspätung. (RE 9 4883 am Samstag hatte zwei (abgeschlossene) Wagen, weil keine einzige Tür mehr funktionierte…)